Zum Jahresabschluss am Donnerstag 26. Dezember ab 20 h gibt es einen PEACE & NOISE Benefizabend im Import Export.

Wir leben in einem scheinheiligen, auf Waffengewalt beruhenden, lärmenden Frieden. Krieg ist allgegenwärtig. Der Kapitalismus und die deutsche Exportweltmeisterei tragen dazu bei, tragen den Krieg in sich. In uns ist Krieg. In uns ist Lärm. Aber in uns ist auch Musik. In uns ist Frieden. Wenn wir unseren Lärm in Solidarität verwandeln, stärken wir den Frieden.

Aus dieser Überlegung heraus begründete die Gruppe Das Weiße Pferd vor drei Jahren das Motto PEACE & NOISE mit einem Festival der Münchner Szene. Über ein Dutzend Bands teilten sich damals die Bühne für einen Abend (es spielten The Notwist, Friends Of Gas, Pollyester, The Grexits, Murena Murena, LeRoy, Protein, Parasyte Woman, Majmoon, die Express Brass Band, Die Lore, G. Rag/Zelig Implosion, Candelilla, Das Lunsentrio und Das Weiße Pferd). Die Einnahmen wurden damals einer Musikschule in Aden, Republik Jemen, und dort lebenden Musiker*innen, mit denen die Gruppe in Kontakt ist, gespendet.

Nun sagen sie es wieder: PEACE & NOISE! Sie spielen und spenden das, was Ihr gebt, an die Kurd*innen von Rojava.
Das Geld geht an die kurdische Organisation Heyva Sor a Kurdistanê e. V. und soll in der aktuell so schlimmen Situation in erster Linie den Kindern zu Gute kommen.

Live-Konzert der Münchner Kultband Das Weiße Pferd zugunsten der Kurd*innen von Rojava, unter Mitwirkung von (RTZ), MarieMarleneDietrich und Die Kleinen Hirten.

>heyvasor.com/de/projeyen-me/

Noch ein paar Vorbemerkungen von Federico Sánchez zu „Peace & Noise“ an diesem Donnerstag:

Peace & Noise #1 und #2 waren – ich glaube ich spreche für alle Beteiligten – ganz wichtige Manifestationen eines gelebten solidarischen, selbst organisierten Miteinanders, welche den ganzen Sinn und Zweck unserer musikalischen Aktivitäten hier in dieser Stadt einmal ganz klar in aller Ursprünglichkeit in die Tat umgesetzt abbildeten. Leuten wie uns, die wir da spielten, war es noch nie darum gegangen, die Verhältnisse zu entertainen und den Soundtrack für die Geldmaschine München zu liefern, sondern Lebensräume außerhalb der Maschine zu behaupten und zu bestärken. „Außerhalb“ ist hier nicht territorial gemeint, sondern explizit außerhalb der Maschine zu stehen, auch wenn das in einer Stadt wie hier in München eben nur temporär, wenn überhaupt, z.B. für den Zeitabschnitt einer Abendveranstaltung, gelingt. An den Peace & Noise Abenden in der Postrutsche war es gelungen.

Sicher sollten wir uns keiner Illusion hingeben, durch unsere läppischen Spendengelder irgendwas woanders gutmachen zu können, was eigentlich total kaputt ist. Vielmehr geht es eben primär darum, zu sagen: Geld macht kaputt! Der zerstörte Hauptbahnhof, Symbol der „Münchner Willkommenskultur 2015“, zeigt das ja momentan ganz deutlich. Von all den anderen
„städtebaulichen“ Investitions- und sogenannten Wohnprojekten ganz zu schweigen, von all den aggressiven fabrikneuen Truck-Autos in den Münchner Straßen auch. Es ist häßlich schon fast überall.
Es geht um Prestige und Geprotze, um Geld um des Geldes willen. Mario Adorf als Generaldirektor Heinrich Haffenloher in Kir Royal brachte es damals schon auf den Punkt, wie diese Stadt als Wirtschaftssystem eigentlich funktioniert: „Isch scheiß disch so was von zu mit meinem Geld!“ Um im nächsten Zug dann doch alles für sich behalten zu wollen …

Daher: Leisten wir es uns doch mal, Unser-Euer-Geld, das wir bei einem Konzert einnehmen, einfach zu „opfern“ und wegzuschmeissen. Denn es bleibt eine Geste, auch wenn wir es eben nicht „wegschmeissen“, sondern einfach weggeben, an Leute, die sich vielleicht darüber freuen,
auch wenn die Summe überschaubar sein wird. Auch unser Publikum ist überschaubar, von daher kann es nicht viel mehr als eine Geste darstellen, wenn wir Geld einsammeln und weitergeben. Wir könnten es auch einfach ganz drastisch verbrennen, aber das ist illegal, und nicht minder drastisch
und viel netter ist es, das Geld an Leute zu geben, die gerade an etwas anderem arbeiten, als eine Geldmaschine am Laufen zu halten, vielmehr schlicht und ergreifend mit dem Überleben beschäftigt sind, bei gleichzeitiger Behauptung und Verteidigung einer emanzipatorischen Sozialstruktur, die möglicherweise in großem Widerspruch zu unserer kapitalistischen Orientierung steht. Oder so herum betrachtet: Zuviele stinkreiche Akteure in dieser Stadt wissen nichts Gescheites anzufangen mit all ihrem Geld, und so kommen sie auf die allerschlechtesten Ideen und richten nichts als Schaden an. Wie gut hingegen tut es da, Geld einfach mal wegzuschaffen! Aus dieser Stadt muss noch viel Geld wegkommen. Wir müssen da nicht lange suchen, um einen Adressat zu finden:

Der Heyva Sor a Kurdistanê e. V ist eine kurdische Selbsthilfeorganisation, die von KurdInnen in Deutschland und Kobane betrieben wird. Ihnen überweisen wir das Geld, und sie werden wissen, wer es momentan am Nötigsten hat. Es geht da primär um medizinische Versorgung und Hilfe für Menschen, die vor Angriffen des IS und der syrischen und türkischen Regierung geflüchtet sind.
Und es geht bei uns eben auch darum, überhaupt den Blick für die Situation in Rojava (aber nicht nur dort!) zu suchen. Nachdem wir nun bei den vorangegangenen Peace & Noise Veranstaltungen ja für befreundete MusikerInnen im Jemen gesammelt hatten, bedeutet das nun nicht, dass wir uns von unseren jemenitischen Freunden abwenden: Der Austausch geht weiter, wir sind in Kontakt, für eine erneute öffentliche Sammlung für die Jemeniten war es auf Dauer aber eine vielleicht doch zu persönliche Sache geworden.

Ein „neues Peace & Noise“ war bislang daran gescheitert, dass wir – nicht zu vergessen: Unter Mitwirkung von TAMTAM – es immer an einem Ort machen wollten, der so speziell
sein sollte wie damals die Postrutsche an der Hackerbrücke, die leider nicht mehr gemietet werden konnte, seit das Areal von Käfer übernommen wurde.Das Import Export ist aber nun eh ein super Ort, der den perfekten Rahmen für so einen Abend bietet, und uns dabei auch solidarisch begegnet, sprich: Wir müssen nichts für die Technik und die Durchführung des Abends zahlen, sämtliche Einnahmen aus der Kasse können wir weitergeben.

Ein echtes Festival ist es nun nicht, es ist ein dreiteiliger Konzertabend (+ „Die Kleinen Hirten“: Nina Walser, Sängerin von Friends Of Gas, und Hank Schmidt in der Beek, Sänger von Das Lunsentrio, an den Plattentellern), denn für ein großes Festival mit KünstlerInnen von Außerhalb war die Umsetzung zu spontan. Das kann ja noch nächstes Jahr mal passieren, oder auch nicht …! Hier verlassen wir schonmal das übliche Schema: Band spielt Konzert, Business as usual …

Warum aber diesmal nicht wieder so ein fulminanter Szene-Bang? Der Gedanke: Die Begegnung soll neu, frisch und spannend sein. also kamen schonmal alle Kollegen, die dieses Jahr in München bereits andernorts und oft genug zu erleben waren, nicht in Frage. Ich für meinen Teil leistete über das Format „Die Anhörung“ über das Jahr verteilt schon
manchen Münchner Veröffentlichungen Unterstützung, und von einigen Formationen und Kollegen bin ich richtig Fan, aber alle hatten schon ihre Auftritte und großen Momente, ich finde das genügt dann auch erstmal und kann so stehen bleiben.

Die Schwestern Marie und Marlene lernte ich im Sommer durch einen lustigen Zufall kennen,
wir machten eine Zeitlang sogar Musik zusammen und trafen uns zu Sessions mit Albert Pöschl im Studio, es war eine wunderbar spielerische Übereinkunft. Es gibt bislang überhaupt keine Überschneidung oder Berührung mit der Szene an MusikerInnen, die hier sonst bereits gut vernetzt und in Kontakt ist, so gesehen ist es mir ein besonderes Anliegen, MarieMarleneDietrich der „Szene“ vorzustellen. Dabei machen sie Straßenmusik, seit sie Vierzehn sind! Sie sind einfach zu gut, um sich den Etiketten des Pop-Geschäfts zu unterwerfen, denn es ist, als würden sie selber einfach aus Musik bestehen.

Und (RTZ) werden einfach ihren allerersten öffentlichen Auftritt haben! (RTZ) sind Rumpeln (Anton Kaun), Martin Tagar (von Friends Of Gas, Das Weiße Pferd …)
und Zoro Babel (Salewski, musica viva undundund), und sie werden sehr furios freispielend sich an sonischen Grenzen vergreifen 🙂 Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf!

Dazwischen Das Weiße Pferd: Das einzige Konzert im ganzen Jahr – und ja, nach einer langen Pause und manch aufregendem Auftritt als Pacifico Boy
hatte ich wieder Lust auf’s Pferd: Wir untereinander sind beste Freunde, die Band ist meine Heimat. Die alten Lieder sind noch lange nicht alt .., und es gibt neue Lieder – eins heißt „El Pueblo“, ein anderes „La Muerte“, ein drittes „Torino“.

Peace & Noise !!!

Fotocredit: https://www.heyvasor.com/de