Klimacamp München

Oft heißt es, spätestens seit den Fridays for Future Demonstrationen ist die Notwendigkeit zum Handeln in der Klimakrise im allgemeinen Bewusstsein der Gesellschaft und der politischen Agenda angekommen. Doch gibt es sehr unterschiedliche Ansichten darüber, wie die nächsten Schritte aussehen müssen. So konkurriert die Bekämpfung vieler Ursachen der Klimakrise z.B. noch immer mit der Sicherung der (ökonomischen) Wettbewerbsfähigkeit. Diese ewig dominierende vermeintliche Notwendigkeit, die nichts anderes bedeutet, als den Vorrang einer wachsenden Industrie und Wirtschaft gegenüber nachhaltigen, sozialen und solidarischen Projekten. Zum Anderen setzen geplante Klimaschutzmaßnahmen immer mehr auf technologische Lösungen, die vermutlich weder rechtzeitig noch sozial gerecht die Probleme der Klimakrise lösen werden können.

Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit werden oftmals noch immer als unterschiedliche und voneinander trennbare Anliegen betrachtet. Es erscheint zum Teil zynisch, dass a) der ökologische Fußabdruck mit steigendem Vermögen und höheren Privilegien umso größer ist, und b) oft eben diese (privilegierten) Menschen soziale und ökologische
Aspekte bei Debatten um Klimaschutz gerne gegeneinander ausspielen. Doch die Diskussion darüber, was wichtiger ist oder zuerst angegangen werden muss – der Schutz unserer ökologischen Grundlage oder die soziale Gerechtigkeit – ist zu kurz gedacht. Nur wenn wir Gesellschaft und Politik sozial gerechter gestalten und diskriminierende Strukturen überwinden, werden wir auch eine ökologisch nachhaltige Lebensweise ermöglichen können. Gleichzeitig gilt: nur wenn wir es schaffen die menschengemachten Auswirkungen der Klimakrise und die Umweltschäden zu minimieren und unsere ökologische Grundlage zu schützen, werden wir und künftige Generationen in der Lage sein in einer sozial gerechteren Welt zu leben. Kurz gesagt: Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind zwei Seiten der selben Medaille und lassen sich nur gemeinsam erreichen.

Seit einigen Jahren hat sich daher innerhalb der Klimabewegung der Begriff Klimagerechtigkeit verbreitet. Die Klimagerechtigkeitsbewegung verfolgt das Ziel ökologische und soziale Fragen prinzipiell zusammen zu denken und die Perspektive auf ungleiche (ungerechte) Machtverhältnisse und Privilegien in unserer Gesellschaft zu lenken. Denn u.a. zwei Dinge lassen sich sich mit Blick in die Vergangenheit beobachten:
Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und Rohstoffe unseres Planeten gehen Hand in Hand mit Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierungen und strukturellen Machtmissbräuchen.

Und, durch imperiale und koloniale Unterdrückung sowie der Etablierung kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen wurde beides – die Ausbeutung von Menschen und von der Natur – beschleunigt und und auf lange Zeit verfestigt. Hauptverursacher für den menschengemachten Klimawandel sind die Industriestaaten, wohingegen Länder des Globalen Südens vorwiegend die Folgen tragen. Dabei ist wichtig festzuhalten, dass es hier nicht nur um abstrakte CO2 Werte geht, welche ein künftiges Problem darstellen. Bereits jetzt sind Klima-und Umweltschäden aufs engste mit sozialen Problemen und Benachteiligungen von Minderheiten verbunden. Mit dieser ungerechten Verteilung der Ursachen und Folgen einerseits und den unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten und Privilegien andererseits geht auch eine Verantwortung einher – auf vielen Ebenen.

Unter dem Motto „Klima und Gerechtigkeit“ laden wir am 31.07. und 01.08.2021 alle interessierten Menschen zu unserem urbanen Klimacamp München 2021 ein, welches im Rahmen der Import Export Open stattfindet. Gemeinsam mit euch möchten wir diskutieren wie sich Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit auf Augenhöhe und Hand in Hand gestalten lässt und uns weiterbilden, vernetzen und gegenseitig empowern.


Das Klimacamp München dient als Ort der Vernetzung und Mobilisierung der Klimagerechtigkeitsbewegung in unserer Region, an dem sich ökologische und soziale Bewegungen für globale Gerechtigkeit vereinen. Im Rahmen des Klimacamps möchten wir uns mit allen Freund:innen, Unterstützer:innen und Interessierten zusammenfinden, um Alternativen des solidarischen Zusammenlebens in herrschaftskritischer Selbstorganisation zu leben, uns zu bilden und auszutauschen sowie direkte Aktionen und Proteste zu gestalten.

Der Essay erschien im Juli 2021 im Rahmen des Open Festival. Mit dem Format „Diskurse gegen den Kanon und für die Polyphonie“ will das Import Export Diskurse fördern, welche mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit verdienen. Feminismus, Decoloniality, Klimagerechtigkeit, Antirassismus, Recht auf Stadt und weitere Themen sollen das Festival begleiten und inspirieren. Der monatliche Fokus wird von Künstler:innen und Freund:innen visualisiert, beschrieben und im Programm umgesetzt.