AfroDiaspora 2.0

„In einer rassistischen Gesellschaft reicht es nicht aus, nicht rassistisch zu sein. Wir müssen anti-rassistisch sein.“ – Angela Davis

Wenn ich an antirassistische Theorie und Praxis denke, weiß ich erstmal nicht, was ich mit der Verkettung dieser vier Wörter anfangen soll. Beziehungsweise, wo ich anfangen soll. Ich denke da an die Akademia, die Universität, weiße Institutionen, weiße Strukturen und letztendlich auch an weiße Bestrebungen, durch Theorie und Praxis das System gerechter, fairer und letztendlich antirassistischer zu gestalten. Und beträte ich einen Raum, in dem sich zehn Menschen aufhielten. Und würde ich da die Frage nach antirassistischer Theorie und Praxis stellen: Würde ich zehn unterschiedliche Antworten auf meine Frage bekommen. Antirassismus, das wage ich auf die Schnelle zu skizzieren, ist ein Prozess der aktiven Identifizierung und Bekämpfung von Rassismus. Ein Ziel von Antirassismus ist es, Rassismus herauszufordern und aktiv das Verhalten und die Überzeugungen zu ändern, die rassistische Ideen und Handlungen aufrechterhalten. Die eigenen Denkmuster zu dekonstruieren! Aber mehr über antirassistische Theorie und Praxis schreiben: Das möchte ich nicht. Denn es gibt wirklich nichts mehr zu sagen. Es gibt Bibliotheken voller Bücher, Interviews, Essays, Filme, Vorträge und Sympo­sien zu diesem Thema. Forderungen, Anweisungen, Empfehlungen und Bitten. Ich denke, es gibt nichts, was nicht schon zu diesem Thema gesagt wurde. Nichts, was wir nicht schon zu diesem Thema gesagt haben. Da schreibe ich lieber über Empowerment. Über Selbstliebe, über Stärkung und über eine Schwarze Community, die eine lange Geschichte in München hat. Über Allianzen und Kooperationen, die wir schließen, über Partnerschaften, die wir eingehen und über andere großartige Menschen, die München zu einer großartigen Stadt machen. Ich schreibe lieber über Orte, an denen wir uns wohl fühlen, Menschen, mit denen wir uns wohl fühlen und Musik, die wir einfach so fühlen. Ich schreibe über AfroDiaspora 2.0. und über uns. Den Safer Space, andere Frauen, die Liebe, die Stadt, Workshops, Kinder und über einen großartigen Sonntag im August.


AfroDiaspora 2.0//e.V. ist ein Kollektiv Schwarzer Frauen in München und Umgebung, das sich für Community-basiertes Schwarzes Empowerment einsetzt. Wir verstehen uns als Plattform für Schwarze Frauen, nicht-binäre Personen, Jugendliche, Kinder und Künstler*innen und konzentrieren uns in unseren Workshops und Veranstaltungen auf Schwarze Stimmen, Schwarze Perspektiven und Schwarzes Wissen.

Der Essay erschien im August 2021 im Rahmen des Open Festival. Mit dem Format „Diskurse gegen den Kanon und für die Polyphonie“ will das Import Export Diskurse fördern, welche mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit verdienen. Feminismus, Decoloniality, Klimagerechtigkeit, Antirassismus, Recht auf Stadt und weitere Themen sollen das Festival begleiten und inspirieren. Der monatliche Fokus wird von Künstler:innen und Freund:innen visualisiert, beschrieben und im Programm umgesetzt.