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Taxi Salon + Pacifico Boy + H***** + Funky Francis + Paula Pongratz

Sa. 15.02.20

Konzert + Workshop + Tanz

Beginn: 20:00

Der Taxi Salon ist ein experimenteller, offener Raum für kulturelle, künstlerische und gesellschaftliche Belange – mit Konzerten, interaktivem Programm, Turntablism und Wohlfühl-Atmosphäre für Jung und Alt.

ab 20.30  Postapokalyptische Schmuckwerkstatt mit Paula Pongratz
(Der Synthesizer Workshop von Severin Schols wird verschoben auf April oder Mai weil Severin eine OP hatte – Gute Besserung!)
20:00 Gaikokujin – Reisebegleitung
21:00 Pacifico Boy
22:30 H – Musikalisches Wetterleuchten!
anschließend ist Funky Francis an den Turntables

Postapokalyptische Schmuckwerkstatt mit Paula Pongratz
Beim Postapokalyptischen Schmuckworkshop kann man Schmuck aus gestelltem Material wie Elektronikabfällen und anderen Überresten der menschlichen Zivilisation herstellen.
Die Schmuckstücke dürfen natürlich danach mit nach Hause genommen werden.

Pacifico Boy
Pacifico Boy ist eine Gestalt von radikal asketischer Erscheinung. Die Sprache ist auf das Wesentliche konzentriert, die musikalischen Mittel sind auf ein Minimum reduziert. Die Figur des Pacifico Boy handelt aus Notwehr und energetischer Notwendigkeit. Pacifico Boy ist die Solo-Performance von Kamerakino- und Das Weiße Pferd-Gründer und Sänger Pico Be alias Federico Sanchez. Ja, Pacifico Boy ist das: Körper gewordener Text.

Die Jungs von H blasen euch frischen Wind um die Ohren! Eine Wetterstation produziert Musik. Ein Mobile aus Klangrohren klimpert ein modales Hard-Bop-Pattern im Windkanal, im Dialog mit einem röhrenden Käuzchenruf und rhythmisch aufschlagenden Hagelkörnern … H ist Teilchenphysik für den Chill-Out-Room. Genre: Natur&Technik. Musikalisches Wetterleuchten!

Francis Oppong hat als DJ seit 1995 in vielen der bedeutendsten Clubs in ganz Europa gespielt und als Resident sowie als Support DJ für einige der erfolgreichsten internationalen DJs aufgelegt. Ihren Namen machte Sie sich mit außergewöhnlich vielseitigen Talenten. Als Full Spectrum Performance-Artist sind Ihre unvergesslichen.

Gaikokujin (外国人 / がいこくじん (Mensch aus dem Ausland) begleitet euch durch den Abend, beantwortet alle eure Fragen und hat fast zu allem etwas zu sagen.

Foto Pacifico Boy: Philipp Thurmaier


H
Die vermeintliche Wetterstation ist die Echokammer, ein von Albert Pöschl betriebenes Studio-Biotop in München Giesing. Dorthin begaben sich Leo Hopfinger alias LeRoy und Tom Simonetti alias mycrotom, um an neuen Tracks für ihr Indie-Disco-Wildstyle-Duo Rhytm Police zu arbeiten … und dabei passierte einer jener glücklichen Unfälle, von denen Wissenschaftler immer schwärmen, wenn sie wider Erwarten auf eine bislang unbekannte Substanz stoßen. So, wie sich Pöschls Namensvetter Albert Hofmann im Selbstversuch die Pforten der Wahrnehmung öffneten, stießen die drei Laboranten Hopfinger/Pöschl/Simonetti auf das Element „H“, um es im Spaltprozess einer isolierten Verdichtung aus der Rhytm Police herauspurzeln zu sehen – hatte nicht dort, über das zehnjährige Bestehen des Bandnamens hinweg, doch immer schon ein „H“ gefehlt? Nun also, H ist da, und

mit dem alten Namen fällt gleich mal die Disco-Party weg: H ist Teilchenphysik für den Chill-Out-Room. Genre: Natur&Technik. Musikalisches Wetterleuchten! Die einzelnen Stücke bestehen aus mehreren Ebenen, die ein vielschichtiges Hören ermöglichen. Da ist das Analoge (Drums: Simonetti / Bass: Hopfinger / Analoge Dub-Kanäle: Pöschl), das eine Verbindung mit dem

Synthetischen (diverse Keyboards und Samples) eingeht. An der Schnittstelle zwischen dem Analogen und Synthetischen lauern fiebrige Fieldrecordings. So meinen wir, koexistierende Parallelgesellschaften in einem Stück vereint zu hören. Ein Effekt, der durch das Prinzip einer zirkulierenden Produktion begünstigt wurde: Nachdem die analogen Basis-Spuren gemeinsam gelegt worden waren, wurden diese ringsherum gereicht, die Klangmaterie bei jeder Runde neu angereichert und geschnitten, bis aus den einzelnen Session-Tracks die vorliegenden Stücke herausgeschliffen waren. Inhaltlich ist dieses Album tatsächlich auch: Heimat und Sachkunde. H überlassen den Heimatbegriff aber nicht jenem Kollektiv, welches in stumpfer Abkapselung vor sich hingährt und die tradierte Borniertheit zur Heimathochkultur erhebt. Auf diesen Holzweg begeben sich H nicht. Internationaler Tiefbau lautet stattdessen die Parole. Leo Hopfingers deutschsprachige lyrics fahren ex negativo, schließen aus der Umkehrung auf. „Spiel mir das Lied vom Sonnenschein. Das kann nicht so kompliziert sein – Sonne rein … Ohne dich säh’s hier ziemlich dunkel aus.“ So einen lässigen Humor hatte in vergleichbar lakonischer Nuscheligkeit zuletzt wohl Stephan Remmler mit Trio drauf. Deutsch ohne Pathos, geht doch. H atmet Spannung und Entspanntheit aus. Das ist der Zauber von H. Man findet diese Mischung sonst vielleicht nur auf manch toller Platte aus der sog. Kraut-Ära, Platten von Harmonia und Cluster blitzen auf, und H könnte wunderbar neben einer Platte wie z.B. Rastakraut Pasta von Moebius & Plank stehen, aber auch neben den LeRoy-Alben Skläsh und Bambadea (beide auf Schamoni Musik), This Is The Place von Das Hobos (ein weiteres, hochgefeiertes, alias des Duos Hopfinger und Simonetti) und der ein oder anderen Echokammer- Produktion, wie etwa Entrance To The Exit von Blacken The Black. Immer wieder zwitschern die Vögel, hallt das Echo vom Berg, wird die Sonne zur Heimat, zur Heimat für die ganze Welt. Ein arabesker Autotune-Gesang ertönt „Am Zug“, eine ganz und gar kosmische Musik wird hier gespielt. Also nochmal, ex negativo, zum Mitschreiben: Heimat ist nicht der Boden, Heimat ist die Sonne! Denn: Ohne sie sähe es hier dunkel aus! Und wenn am „Alpensee die Luft okay“ ist, dann ist damit eben auch gemeint, dass drunten in der Ebene irgendwas so ganz und gar nicht okay ist. H ist eben auch das: Die Revanche für den grausamen Begriff „Heimatsound“. Danke! Ihr könnt natürlich auch mit dem letzten Stück anfangen: „Hi! Oh, Hallo. Wie geht’s? I Love You!“ Letztendlich bin ich mir sicher: Ihr versteht diese Musik auch ohne Beipack. Viel Spaß damit! – Euer Pico Be

 

Eintritt

Spendenempfehlung ab 5 Euro